Reinheit und Ruhe

Es ist der globale Megatrend: die Suche nach Gesundheit und Wohlbefinden in der Natur. Die fortschreitende Urbanisierung sorgt heute dafür, dass viele Menschen Ruhe suchen – und sie in der Natur finden. Naturtouristen schätzen diese saubere Umwelt, unberührte Landschaften und vollkommene Ruhe.

Professor Liisa Tyrväinen vom Institut für Naturressourcen Finnland hat die Einschätzungen von Naturtouristen zusammengetragen. Immer mehr Touristen erwarten eine saubere Natur. Der Besuch in einem Nationalpark darf die Natur weder verunreinigen noch belasten.

“Das ist Naturtouristen sehr wichtig. Deshalb benötigen wir Tourismus-Angebote, die bestimmte Kriterien erfüllen. Außerdem müssen die Angebote vermitteln, dass mit dem “Reiseziel Natur“ nachhaltig umgegangen wird.”

Ein Pionier auf diesem Gebiet sind die Parks & Wildlife Finnland, die ein Modell für nachhaltigen Naturtourismus geschaffen haben. Die Grundsätze für nachhaltigen Tourismus innerhalb der Nationalparks wurden bereits im Jahr 2004 gelegt. Diese Regeln gelten für alle Unternehmer, die innerhalb der Nationalparks tätig werden.

“Unternehmer müssen diese Grundsätze genau kennen. Der Wert der Natur, kombiniert mit dem Tourismus, genießt in finnischen Nationalparks und Wandergebieten größtmöglichen Schutz.”

Die Parks & Wildlife Finland haben Kooperationsvereinbarungen geschlossen, durch die sich Unternehmen den Grundsätzen der Nachhaltigkeit verpflichten. Dies beinhaltet den Natur-Tourismus in finnischen Nationalparks und Wandergebieten. Die Unternehmen sind dafür verantwortlich, dass ihre Produkte und Angebote diesen Regeln entsprechen. Für die Parks und Wandergebiete wurden Naturtourismuspläne ausgearbeitet.

Jegliche Art von Muskelkraft in Form von Bewegung ist in diesen Gebieten erlaubt. Schneemobile und Quadbikes sind hingegen verboten. Ruhe wird ebenso wie saubere Natur besonders wertgeschätzt.

Finnland – Eines der ruhigster Länder in Europa

Ungefähr die Hälfte der europäischen Stadtgebiete leiden unter Verkehrslärm, was das Lernen behindert und den Blutdruck erhöht. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind 40 % der Europäer Lärm über 55 Dezibel – das entspricht der Lautstärke eines Klassenzimmers – ausgesetzt. Zum Vergleich: In Finnland sind es nur 15 %, deren Gesundheit von Lärm beeinträchtigt ist. Lediglich 0,5 % der Finnen müssen Fluglärm ertragen. Lärm über 55 Dezibel gilt als Risikogrenze für negative gesundheitliche Auswirkungen. Unsere Organe verstehen laute Klänge als Warnsignal, das Stressreaktionen hervorruft. So produziert der Körper aufgrund des Lärms vermehrt Stresshormone und der Blutdruck steigt.

Nach einem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EWR) besaßen Finnland und Schweden 2014 die leisesten und am wenigsten lärmenden Gebiete innerhalb der Europäischen Union. Über 80 % der Fläche Finnlands waren völlig oder relativ ruhig. Fast 35.000 Quadratkilometer der Fläche Finnlands wurden als vollkommen ruhig eingestuft. Dieses Gebiet ist größer als Belgien und Luxemburg zusammen.

“Wenn Sie Reisende fragen, was sie vom Naturtourismus erwarten, werden vor allem Ruhe und Frieden, eine saubere Natur und eine wunderschöne, unberührte Landschaft genannt”, betont Dr. Tyrväinen.

Und diese Erfahrungen können allen gestressten Stadtbewohnern angeboten werden – dank guter Organisation und Leistungen der Naturschutzgebiete. Eine Überlastung der Natur durch Besucher kann durch die Planung von Reiserouten und das richtige Angebot verhindert werden. So können Besucher z. B. von verschiedenen Orten in die Nationalparks gebracht werden.

“Sie können fischen, in Schneeschuhen gehen oder sogar inmitten eines Nationalparks meditieren. Durch gezielte Angebote für Touristen kann jeder, der es wünscht, eine saubere Natur inklusive absoluter Ruhe erleben.”

Saubere Wassersysteme

10 % der Landesfläche Finnlands ist mit Seen bedeckt – das sind 30.000 Quadratkilometer. Nirgendwo sonst in Europa besitzen Seen einen derart großen Anteil am Gesamtgebiet eines Landes. Außerdem sind 80 % der finnischen Gewässer von ausgezeichneter oder guter Qualität. Der Limnologe Sari Mitikka vom Finnischen Umweltinstitut bezeichnet diesen Wert als außergewöhnlich gut.

“Wir haben eine Vielzahl an qualitativ hochwertigen Oberflächengewässern im Land und viele große sowie kleine Seen in gutem Zustand.”

Auch im Vergleich zum restlichen Europa schneidet die Wasserqualität finnischer Seen außerordentlich gut ab. Im Jahr 2015 veröffentlichte die Europäische Umweltagentur einen Bericht, wonach sich die Qualität der Binnengewässer in den letzten Jahren verbessert hat. Allerdings befindet sich noch immer etwa die Hälfte der europäischen Binnengewässer in keinem guten ökologischen Zustand.

Sari Mitikka untersucht den Zustand der finnischen Wassersysteme und berichtet von einer Verbesserung der Wasserqualität. Seit den 1960er-Jahren ist eine “Reinigung” der Seenregion in der Nähe industrieller und besiedelter Gebiete deutlich erkennbar. Die meisten öffentlichen Strände in Finnland befinden sind in gutem Zustand. Die kommunalen Gesundheitsbehörden überwachen die Qualität der Gewässer gemäß den Weisungen der Nationalen Aufsichtsbehörde für Wohlfahrt und Gesundheit (Valvira). Zudem übermittelt das Nationale Institut für Gesundheit und Soziales den Zustand der Badegewässer jedes Jahr an die Europäische Umweltagentur.

Das größte Gebiet mit hervorragendem Wasser in Finnland ist gleichzeitig auch Europas größte Seenplatte: Saimaa. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viel Küstenlinie (15.000 km) im Verhältnis zur Fläche der Saimaa Region. Das Gebiet zählt 14.000 Inseln und somit mehr als Indonesien. Zusätzlich gibt es über 3.000 Kilometer Wasserstraßen und 70 Häfen. Mehr als die Hälfte aller Bewohner des Saimaa Gebiets fischen. Ungefähr 30 verschiedene Fischarten leben im sogenannten “Großen Saimaa”. Die beliebtesten Speisefische der Region sind
Lachsfische: die Renke und die Forelle. Beide kommen nur in klaren und sauberen Gewässern vor.

Europa farblich unterteilt nach dem Quietness Suitability Index (QSI) der Europäischen Umweltagentur (EEA). Je grüner, desto ruhiger. 2014 galten Finnland und Schweden als ruhigste und „lärmärmste“ Gebiete aller Länder der Europäischen Union. www.eea.europa.eu/publications/noise-in-europe-2014

Ari Turunen

 

Ecological state of Finnish surface waters in 2013

Map: The Finnish Environment Institute

80% des Wassers in finnischen Seen ist von ausgezeichneter oder guter Qualität.

Über 80 % der Fläche Finnlands waren völlig oder relativ ruhig

Metsähallitus Parks & Wildlife Finland
Parks & Wildlife Finland ist zuständig für fast alle finnischen Schutzgebiete – auch für das Management der jeweiligen natürlichen und kulturellen Umgebungen. Parks & Wildlife Finland verwaltet sämtliche finnischen Nationalparks, streng geschützte Naturschutzgebiete und nationale Wanderregionen sowie zwölf weitläufige Wildnisgebiete in Lappland. Als staatliches Unternehmen kontrolliert es ein Drittel aller Landflächen und Gewässer Finnlands.
www.metsa.fi/web/en/nature-conservation
www.nationalparks.fi

Das Finnische Umweltinstitute
Das Finnische Umweltistitute ist eine nationale Forschungseinrichtung, die Informationen rund um die Umwelt und Entwicklung des Landes veröffentlicht. Dabei werden umweltbeeinflussende Faktoren festgestellt und Lösungen geschaffen, die nachhaltige Entwicklung fördern. www.syke.fi

FinRelax-programme, Visit Finland
www.visitfinland.com/finrelax

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