Ein Abenteuerausflug in die Prähistorische Vergangenheit

Die Natur der finnischen Seenlandschaft bietet eine einzigartige Gelegenheit, das Wandern in der Wildnis mit prähistorischer Kultur zu verbinden. Die größten Felsmalereien der nördlichen Kulturen finden sich in Saraakallio bei Laukaa und in Astuvansalmi bei Ristiina.

Die Menschen, die während der Steinzeit in dieser Gegend Finnlands lebten, waren Nomaden. Sie reisten entlang der Flussläufe, jagten und fischten. Im Sommer nutzten sie Kanus und im Winter Skier und Hundeschlitten. Sie wechselten von einem Flusslauf zum anderen, indem sie die Kanus über die Landengen zogen, die die Wasserwege voneinander trennten. An den Kreuzungen solcher Routen finden sich oft Felsmalereien.

“Vor mehr als 7.000 Jahren begannen die Jäger und Sammler der Steinzeit, die glatten, vertikalen Felswände mit rotem Ocker zu bemalen. Es ist gut möglich, dass dieselben Felswände über hunderte oder tausende von Jahren bemalt wurden”, sagt der Archäologe Ilari Aalto der Turku University.

“Das bedeutet, dass die Menschen der Steinzeit vielleicht Malereien gesehen haben, die für sie zur damaligen Zeit ebenfalls historisch waren.”

Ein wunderschön präsentierter Elch aus den Malereien des Haukkavuori Rock im Konnivesi-Nationalpark.

Neben seiner Studie hat Aalto zwei kulturhistorische “Reisebücher” geschrieben, die das lebhafte Umfeld und das tägliche Leben der Menschen aus der Vergangenheit zum Leben erwecken, indem er den Leser zu unterschiedlichen Orten Finnlands mitnimmt. Das erste Buch behandelt das Mittelalter, das zweite befasst sich mit prähistorischen Relikten.

Zu der Zeit, als die Menschen in Finnland noch Felsen bemalten, wurde überall sonst in Europa bereits Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. In der finnischen Seenlandschaft waren das Jagen und Fischen sehr fortschrittlich.

“Hier lebten nur einige tausend Menschen. Es war das goldene Zeitalter des Jagens und Fischens”, sagt Aalto.

Oft folgten die Menschen dem Wild entlang der Wasserwege, die mit Felsmalereien markiert waren.

“Der Weg durch die Wälder war schwierig, daher dienten die Wasserwege als gängige Verkehrswege”, sagt Aalto.

In Winter nutzten die Menschen dieselben zugefrorenen Routen mit ihren Hundeschlitten. Laut Aalto ähnelt der finnische Spitz dem Jagd- und Schlittenhund der Steinzeit. Die nördlichen Spitz-Rassen, wie der Samoyed, der Sibirische Husky und der Alaska-Schlittenhund, sind heutzutage die häufigsten Schlittenhunde. Laut seines genetischen Materials ist der finnische Spitz eine urzeitliche Rasse, die sich nicht mit anderen Rassen kreuzte, was ungewöhnlich ist.

“Angesichts der Tatsache, dass organische Materie nur in Ausnamefällen für tausende von Jahren konserviert wird, wurden in Finnland eine sehr große Anzahl an Kufen gefunden. Es ist daher anzunehmen, dass Schlitten ein gängiges Verkehrs- und Transportmittel waren. Heutzutage kann man mit einem modernen Schlitten bis zu 100 Kilometer am Tag querfeldein reisen. In der Steinzeit waren wahrscheinlich nur Distanzen zwischen 60 und 70 Kilometer pro Tag auf den zugefrorenen Seen möglich.”

Laut Aalto ist der Winter die beste Zeit, um Felsmalereien zu sehen.

“In der Regel sieht man die Malereien am besten, wenn die Temperaturen knapp unter null sinken. Feuchtigkeit, Lichtverhältnisse und Temperatur haben Einfluss auf die Sichtbarkeit der Malereien. Das Ermitteln der besten Bedingungen lässt sich beinahe mit Okkultismus vergleichen. Einige Malereien lassen sich unter normalen Umständen nur schwer erkennen, aber mit den richtigen Lichtverhältnissen werden sie dann plötzlich deutlich sichtbar. Vor allem trockenes Winterwetter verbessert die Sichtbarkeit der Malereien.”

Im Kolovesi-Nationalpark kann man ein Kanu mieten und zu den Malereien am Felsen paddeln. Die Ukonvuori-Felsmalereien sind 30 Minuten vom Ufer entfernt, an dem man ein Kanu mieten kann.

Felsmalereien im Nationalpark

Wer viele Felsmalereien sehen möchte, solle mit dem Kanu oder im Winter auf Skiern unterwegs sein. In den Nationalparks Nuuksio, Hossa, Repovesi, Southern Konnevesi und Kolovesi, sowie in einigen anderen, kann man beinahe authentische Wanderungen in die Vergangenheit unternehmen und Felsmalereien sehen. Auf einer Steinwand im Hossa-Nationalpark in Suomussalmi gibt es 61 unterschiedliche Malereien, darunter einige ungewöhnliche Abbildungen von Bärentatzen, eidechsenförmigen Mustern und Menschen mit dreieckigen Köpfen.

Inmitten einer ruhigen Seenlandschaft, die während der Eiszeit geformt wurde, ist es einfach, sich die Steinzeit vorzustellen. Einen solchen Ort findet man im Kolovesi-Nationalpark in Greater Saimaa, dessen labyrinthartige Buchten an drei Orten Felsmalereien beherbergen. Auf einer steilen Felswand in Ukonvuori lässt sich eine menschliche Gestalt ausmachen, die einen Arm in die Höhe streckt. Im nördlichen Teil des Parks, in Vierunvuori, kann man das Abbild eines Mannes und eines Elchs erkennen. An der Mündung des Käkövesi-Sees in Haukkavuori findet man Abbildungen von Menschen und Wild. Am besten kann man die Malereien mit dem Kanu beobachten. Seit mehr als 5.000 Jahren werden diese Malereien von Menschen besucht. Sogar die Landschaft ist noch dieselbe – nur der Wasserspiegel des Sees ist um mehrere Meter abgesunken.

Die Kolovesi-Landschaft ist typisch für die finnische Seenlandschaft, die von der Eiszeit geformt wurde. Der Strom der Eiskappe hat im Gebiet der finnischen Seenlandschaft unterbrochene und labyrinthartige Wasserwege, unzählige Inseln, Bergkämme und Vorgebirge erschaffen. Ein weiteres Überbleibsel aus der Eiszeit ist die einzige inländische Meeresrobbe, die Saimaa-Ringelrobbe, die im Kolovesi-Nationalpark lebt.

Infolge der Landeserhebung nach der Eiszeit vor 8.000 Jahren war die Saimaa-Ringelrobbe gefangen. Die Verbindung zum baltischen Meer war abgeschnitten. Die Saimaa-Ringelrobbe wird in den Steinmalereien nicht dargestellt. Die meisten Abbildungen zeigen Menschen, Wild, Boote und Hände.

In der finnischen Seenlandschaft gibt es mehr als 100 Orte, an denen Malereien zu sehen sind

Die finnische Seenlandschaft ist die Gegend mit den meisten Felsmalereien in Finnland. Insgesamt wurden in Finnland 140 Orte mit Felsmalereien entdeckt, von denen mehr als 100 in der finnischen Seenlandschaft zu finden sind. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde auf urzeitlichen Inseln gemalt und einige von ihnen können noch heute besucht werden. Einige andere Malereien finden sich an Meerengen oder an Kreuzungen von Wasserwegen. Die Malereien wurden auf Felsformationen gemalt, die von den vorbeiziehenden Kanus und Hundeschlitten aus sichtbar waren.

Aalto glaubt, dass die Orte der Malereien und die Gebetszeremonien, die dort abgehalten wurden, für die Menschen der Steinzeit eine Möglichkeit darstellten, mit ihren Vorfahren in Kontakt zu treten.

“Es waren wahrscheinlich keine Kunstmalereien, sondern Abbildungen wichtiger Dinge. Vielleicht glaubten die Menschen, die Malereien hätten magische Kräfte. Die Bilder der Felsmalereien stammen aus einer Welt, in der man in enger Verbundenheit mit der Natur lebte und das Leben von den Wildtieren abhängig war. Die Abbildungen der Boote sprechen von der Bedeutung der Wasserwege, aber vielleicht auch über eine symbolische Reise. Denn ein wichtiges Element des Schamanismus ist die Reise zwischen den Welten.”

Da die Felsmalereien an den alten Wasserwegen gelegen sind, eigneten sie sich gut als Versammlungsplätze. Sie wurden über Jahrtausende hinweg als Gebets- und Opferplätze genutzt.

Die finnischen Felsmalereien befinden sich entlang der Wassertouren in der finnischen Seenlandschaft

Saraakallio Rock: die größte Bildersammlung der nordischen Länder

Eine der ältesten Routen in der finnischen Seelandschaft ist die Rautalampi-Route. Die Rautalampi-Route war bereits in prähistorischen Zeiten ein wichtiger Wasserweg. Entlang der Route wurden Siedlungen und Felsmalereien aus der Steinzeit gefunden, beispielsweise an den Ufern des Konnevesi-Sees. Die Route endet am Saraavesi-See in Laukaa. Dort befindet sich der Saraakallio Rock mit der ausführlichsten aus der Steinzeit stammenden Bilderwelt der nordischen Länder.

Die Felsmalereien des Saraakallio Rock umfassen mehr als 200 Bilder. Eine der bekanntesten Malereien in Saraakallio ist ein Boot, das mit einem Elchkopf dekoriert ist. Boote sind ein sehr häufiges Thema hier, neben Elchen, Menschen und Handabdrücken.

Ein Elch auf dem Saraakallio Rock

Man geht aktuell davon aus, dass vor 7.000 Jahren mit der Bemalung der Felsen begonnen wurde. Saraakallio Rock liegt an einem wichtigen Knotenpunkt der Wasserwege. Vor 6.000 Jahren bestand ein wesentlicher Teil der heutigen finnischen Seenlandschaft aus den Seen Päijänne, Kallavesi und Greater Saimaa, die alle ein einziger See waren. Der Wasserspiegel lag nämlich deutlich höher. Zu dieser Zeit war Saraakallio Rock eine Insel, an der vorbei eine Bootsroute verlief, welche die beiden größten Seen Finnlands, den Päijänne und den Greater Saimaa, miteinander verband. Eine andere Route in den Norden, ans Baltische Meer, begann ebenfalls in Saraakallio. In der Mitte der Insel befand sich ein Hügel, der Ahvenpyhä genannt wurde. Der Ahvenpyhä-Hügel ist weithin über die offenen Gewässer ringsum sichtbar.

Der Gebetsort Astuvansalmi

 

Astuvansalmi am Saimaa-See in Ristiina ist ein Gebetsort wie Saraakallio Rock. Da der Wasserspiegel deutlich höher war, bietet der Astuvansalmi Rock einen mystischen Anblick. Von weitem sieht er wie ein menschliches Gesicht in der Felswand aus. Haben die Menschen der Steinzeit den menschlichen Kopf aus dem Wasser hervorragen sehen?

“Wenn man sich mit dem Boot nähert und der Astuvansalmi Rock in Sicht kommt, wundert es einen nicht mehr, dass er vor 4.000 bis 5.000 Jahren die Aufmerksamkeit der Steinzeit-Menschen auf sich zog”, sagt Ilari Aalto.

“Der Fels hat eine ungewöhnliche Form. Besonders vom offenen Wasser oder dem eisbedeckten See im Winter kann man den Felsen in seiner ganzen Pracht bewundern. Mit ein wenig Fantasie kann man ein entspanntes Gesicht auf der rechten Seite des Felsens erkennen. Es scheint, als würde der Gott des Felsens auf die Besucher der Malereien herunterschauen”, erklärt Aalto.

Der Astuvansalmi Rock wurde mit 65 Bildern bemalt, von denen die meisten Menschen oder Elche zeigen. Auch einige Schamanen sind zu erkennen. Eine der berühmtesten Malereien zeigt eine Frau mit einer Armbrust. Zu diesem Bild gibt es auch noch andere Interpretationen.

Das Felsgesicht des Astuvansalmi Rock nach einer Bildbearbeitung durch Ismo Luukkonen.

Durch die digitale Bildverarbeitung werden die vergangenen Zeiten zum Leben erweckt

Ismo Luukkonen ist ein professioneller Fotograf, der alle 140 Fundorte der Felsmalereien in Finnland fotografiert hat. Die meisten der Orte werden auf seiner Website dargestellt. Auf Luukkonens Website kann man die Originalzeichnungen und die digital “intensivierten” Versionen sehen, auf der die Zeichnungen deutlicher zu erkennen sind. Wenn man die Maus über die Zeichnungen hält, kann man die unbearbeitete Version sehen.

“1994 habe ich mit dem Fotografieren von Felsmalereien begonnen. Ich habe Fotografie studiert und die Felsmalereien waren ein geeignetes Studienobjekt für meine Abschlussarbeit. Als ich Saraakallio und Astuvansalmi besuchte, verblüffte mich die Ausdrucksstärke der Landschaften und Orte. Ich habe eine Fotoausstellung organisiert, die mich mit einigen wichtigen Ansprechpartnern zusammenbrachte. Viele Menschen waren an den Möglichkeiten der Fotobearbeitung interessiert. Durch die von der EU finanzierten Projekte der finnischen Museumsbehörde war ich in der Lage, die Felsenmalereien Finnlands zu dokumentieren.”

“Ich habe mich schon immer für die Vergangenheit interessiert. Aktuell habe ich meinen Interessensbereich auf die nordischen Felsmalereien ausgeweitet: Schweden, Norwegen und Russland. Die nordische Felsenkunst befasst sich mit ähnlichen Themen. Alle Malereien zeigen Elche, Menschen und Tiere. Aber anders als in Finnland gibt es an anderen Orten Abbildungen der Jagd und in den Fels geritzte Zeichnungen.”

“Anfangs habe ich Film verwendet, aber mittlerweile fotografiere ich nur noch digital. Von Anfang an habe ich die Fotos und die Farbe mit einer Fotobearbeitungssoftware bearbeitet. So werden die Details der alten Bilder besser sichtbar als mit dem bloßen Auge. Meine Farbpalette gibt immer die Farben des Felsen wieder, aber ich intensiviere das Rot des roten Ockers und seine Sättigung. Das wichtige ist, auf die Farbschattierung und die Dunkelheit des roten Ockers zu achten.”

Eine Felsmalerei bei Pyhänpää am Päijänne-See. Ismo Luukkonen hat die rote Farbe intensiviert.

“An 104 Orten lassen sich Bilder identifizieren. Im Winter sind die Malereien am besten zu sehen, da man über das Eis zu ihnen gelangen kann. Abseits von Menschen und Häusern denkt man unweigerlich über das Zusammentreffen von Vergangenheit und Moderne nach. Ich bekomme dieses Gefühl oft, wenn ich alleine eine Felsenmalerei ansehe.”

Ari Turunen, Uptopoint

 

Ein Hundeschlitten in einer Landschaft aus der Vergangenheit

In der Nähe des Saraakallio Rock organisiert die Varjola-Farm auf Anfrage Bootsfahrten zum Fels. Die Varjola- und die Rantapirtti-Farm organisieren außerdem Fahrten mit dem Hundeschlitten. Allerdings ist Saraakallio aufgrund der Strömungen nicht über das Eis zu erreichen.

“Unser Schlittenhund ist ein Sibirischer Husky, eine arktische Spitz-Rasse, die mehrere tausend Jahre alt ist. Das Schlittenziehen beruht auf dem Jagdinstinkt der Hunde. 10 % aller Sibirischen Huskys haben ganz oder teilweise blaue Augen. Daran lässt sich ihre Verwandtschaft mit dem Wolf erkennen”, sagt Timo Niinimäki, der auf der Rantapirtti-Farm Fahrten mit Hundeschlitten organisiert.

Laut Niinimäki ist der Husky ein sehr starker Schlittenhund, der ab 20 Grad unter null am leistungsfähigsten ist.

“Nach einer Pause kommt einem die Geschwindigkeit vielleicht ziemlich hoch vor. Wir können leicht Geschwindigkeiten von 35 Stundenkilometern erreichen. Bei langen Safaris ist der Fahrer nach einigen Stunden erschöpfter als die Hunde.”

http://www.varjola.com

http://www.kp-rantapirtti.fi

visitlaukaa.fi/nahtavyydet/saraakallion-kalliomaalaukset/

“Einige Malereien lassen sich unter normalen Umständen nur schwer erkennen, aber mit den richtigen Lichtverhältnissen werden sie dann plötzlich deutlich sichtbar. Vor allem trockenes Winterwetter verbessert die Sichtbarkeit der Malereien. ”

Mit Boot oder Kanu

Saimaa Holiday Oravi vermietet Kanus im Kolovesi-Nationalpark, mit denen man zu den Malereien des Kolovesi Rock gelangen kann.

http://oravivillage.com/fi/Kolovesi

http://www.luontoon.fi/kolovesi

Von Route 4323 aus führt ein markierter Trail zu den Astuvansalmi-Malereien. Im Sommer werden auch Bootsfahren zum Astuvansalmi angeboten.

https://www.visitmikkeli.fi/astuvansalmi-risteilyt

https://atena.fi/matka-muinaiseen-suomeen

Fotografien von Ismo Luukkonen

 

http://www.ismoluukkonen.net/kalliotaide/suomi/index.html