Wildbeeren – das nordische Superfood

Lange Sommertage und kühlere Temperaturen erhöhen das einzigartige Aroma und die Farbstoffe der Wildbeeren. Beides entsteht durch Flavonoide und andere Polyphenole. Beeren zeichnen sich im Vergleich zu anderen Pflanzen durch höhere antioxidative Wirkung aus.

Über 40 essbare Beeren wachsen in finnischen Wäldern. Aufgrund der arktischen Verhältnisse in den Anbaugebieten enthalten sie außergewöhnlich viele bioaktive Substanzen wie z. B. Vitamine und Polyphenole. Bei der Oxidation durch freie Sauerstoffradikale entstehen Löcher in den Zellwänden. Lebensmittel mit vielen Antioxidantien verhindern diesen Abbau im Organismus. Bei den besagten Antioxidantien handelt es sich um Vitamin C und E, Beta-Carotin (Vitamin A), Selen, Zink, Carnosin und Ubiquinon. Darüber hinaus gibt es viele polyphenole Verbindungen mit ähnlichen Eigenschaften, die den Organismus schützen. Viele dieser Verbindungen kommen insbesondere in Wildbeeren aus dem Norden vor.

Das NDL Labor (Nährstoff-Data Laboratory) erhebt Ernährungsdaten in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2012 entfernten die Wissenschaftler die weit verbreitete ORAC-Datenbank von ihrer Website, die Lebensmittel und deren Gehalt an Antioxidantien auflistet.

Der Grund: Die Gesundheitswirkung der Polyphenole wurde in den gesammelten Daten der Datenbank nicht berücksichtigt.

Polyphenole sind Stoffwechselprodukte und schützende Wirkstoffe von Pflanzen, deren Wirkung der von Antioxidantien gleicht. Polyphenole schützen Pflanzen vor Krankheiten und Sonnenstrahlen. In Finnland wachsende Beeren beinhalten viele schützende Verbindungen, die auch dem Menschen helfen.

“Finnische Beeren und daraus hergestellte Produkte bieten ein riesiges Potential als Gesundheitsprodukt. Es steht fest, dass nordische Waldbeeren zahlreiche positive gesundheitliche Effekte besitzen. Ein echtes “Superfood” ist z. B. ein Beeren Smoothie aus wilden Beeren, der mit Honig gesüßt wird”, sagt Forschungsdirektorin Dr. Carina Tikkanen-Kaukanen vom Ruralia Institut der Universität Helsinki.

Dr. Tikkanen-Kaukanen zufolge sind die wahren Vorteile der finnischen Wildbeere neben ihrer nördlichen Lage vor allem der saubere Boden und die reine Luft. Die für den Export vorgesehenen Bio-Beeren werden aus finnischen Wäldern bezogen, die biologisch zertifiziert sind.

Tikkanen-Kaukanen untersucht die gesundheitlichen Auswirkungen von Waldbeeren schon lange. Sie interessiert sich besonders für die anti-infektiösen Eigenschaften von Beeren. So sind z. B. die positiven Gesundheitseffekte der amerikanischen Cranberry seit langem bekannt. In den 1990er Jahren wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Proanthocyanidine der Cranberry das Anhaften von coliformen Bakterien an den Harnwegswänden verhindern können.

“Heute gibt es in Asien und vor allem China eine große Nachfrage nach Beeren aus Nordeuropa, wie z. B. der Heidelbeere.”

Beeren beugen Infektionen vor

Laut Tikkanen-Kaukanen besitzen insbesondere die sauberen Waldbeeren nordischer Wälder Eigenschaften, die bakterielle Infektionen verhindern. Für Forscher ist die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika ähnlich schwerwiegend wie das Phänomen des Klimawandels; laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrifft es jeden Menschen auf der Welt.

“Ein weiteres Problem ist, dass nicht alle Menschen Zugang zu wirksamen Antibiotika haben. Pro Jahr sterben mehr als eine Million Kinder an unbehandelter Pneumonie und Blutvergiftung, verursacht durch Pneumokokken.”

In Beeren enthaltene phenolische Verbindungen können das Anhaften dieser und anderer Bakterien an die Organe verhindern. Dadurch werden z. B. Pneumokokken abgewehrt, welche häufig Infektionen der Atemwege verursachen.

Auch eine durch Meningokokken hervorgerufenen Meningitis kann man so vermeiden. Zudem blockieren die Polyphenole der Heidelbeere, der schwarzen Johannisbeere, der Krähenbeere und der Lingonbeere (Anthocyane, Proanthocyanidine und Flavonole) die Bakterien im Mund – ein wirksamer Schutz gegen die Bildung von Karies und Plaque an den Zähnen.

“Heutzutage ist es wichtig, neue Wege im Kampf gegen Infektionskrankheiten zu finden. Indem man Beeren isst oder daraus hergestellte Produkte wie Beerensaft trinkt, kann man Infektionen wirksam verhindern.”

Tikkanen-Kaukanen und ihr Forscherteam versuchen mittels klinischer Forschung festzustellen, ob das Auftreten von nasal-pharyngealen Infektionen mit Beerensäften reduziert werden kann. Damit erzielten die Forscher bislang die besten Ergebnisse.

Ari Turunen

 

TOP 20 der phenolischen Verbindungen (mg/100)

Heidelbeere: anthocyanin
Die wilde Heidelbeere enthält 4-5 mal mehr Anthocyane als kultivierte Heidelbeeren. Anthocyanine beschleunigen die Regeneration von Zellen und fördern möglicherweise
die Augengesundheit.

Moltebeere und Himbeere: ellagitannine
Ellagitannine verhindern das Wachstum schädlicher Darmbakterien wie Salmonellen, Staphylokokken und Campylobacter.

Cranberry und Lingonbeere: proanthocyanidin
Cranberry und Lingonbeere enthalten viel Proanthocyanidin, das bakterielle Infektionen der Harnwege eindämmt.

Linginbeere: resveratrol
Die Lingonbeere ist eine natürliche Quelle für Vitamin E und enthält Resveratrol, das Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Diabetes verhindern kann.

”Nordische Waldbeeren besitzen nachweislich zahlreiche positive
Gesundheitseffekte.”

”Heutzutage ist es wichtig, neue Wege im Kampf gegen Infektionskrankheiten zu finden. Indem man Beeren isst oder daraus hergestellte Produkte wie Beerensaft trinkt, kann man Infektionen wirksam verhindern.

Ruralia-institute
Das RURALIA INSTITUT der Universität Helsinki erforscht die
Entwicklung ländlicher Gebiete. Das Institut fokussiert sich
dabei auf lokale Strukturen, die regenerative Lebensmittelkette
und nachhaltiges Verwerten natürlicher Ressourcen.
www.helsinki.fi/ruralia/index_eng.htm

FinRelax-programme, Visit Finland
www.visitfinland.com/finrelax