Entlang des Päijänne-Eises

Der Tourismusunternehmer Ari Yrjölä erzählt uns von einem interessanten Stammkunden. Wenn der Päijänne zufriert, fliegt er von den Sanddünen der arabischen Halbinsel nach Finnland und leiht sich ein Schneemobil. Er nutzt es, um auf dem zugefrorenen See hin und her zu fahren und sich inmitten der Landschaft zu vergnügen. Das macht er jeden Winter.

Finnlands zweitgrößter See, der Päijänne, bietet zahlreiche Möglichkeiten für Naturreisen. Am Päijänne kann man Freizeitfischerei betrieben, durch die vom Eis geformten Höhenzüge des Nationalparks wandern und im Winter auf eine Schlittenfahrt gehen.

Die Bergrücken der finnischen Seenlandschaft bilden einzigartige Landschaftsbilder aus Inseln und Vorgebirgen. Einer dieser Bergrücken ist der von der Eiszeit geformte Pulkkilanharju

Fischen im Trinkwasser

Der südliche Päijänne ist die größte Quelle Finnlands. Eine Million Menschen beziehen ihr Trinkwasser über den 120 Kilometer langen Päijänne-Tunnel, den längsten durchgängigen Felstunnel der Welt. Der Wassergewinnungsbereich befindet sich in 25 Metern Tiefe bei Asikkalanselkä in der Nähe des Päijänne-Nationalparks.

“Zwei Wochen nachdem wir hier sauniert haben, erreicht das Wasser Helsinki, wo es gefiltert und getrunken wird”, sagt Ari Yrjölä mit einem Lächeln. Er ist der Besitzer des Lehmonkärki-Feriendorfes an den Ufern des Päijänne.

Die Wasserqualität ist beinahe urzeitlich. Das Wasser des Päijänne ist so sauber, dass es direkt aus dem See getrunken werden kann. Da das Wasser so rein ist, ist es kein Wunder, dass Päijänne bei Freizeitfischern hoch im Kurs steht. Am Päijänne gibt es beinahe 100.000 Freizeitfischer.

Gleichzeitig hat die Freizeitfischerei den Grundstein für zahlreiche unternehmerische Tätigkeiten gelegt. Vom südlichen Päijänne aus haben Köderentwickler, wie Lauri Rapala und Hannu und Kalevi Kangas, die Welt erobert. Rapala ist einer der größten Hersteller von Angelzubehör der Welt. Die Nils-Master- und Bete-Köder der Kangas-Brüder sind weltweit bekannt. An den Ufern des Päijänne werden nach wie vor Köder entwickelt.

Kelvenne ist eine der größten Landrückeninseln Finnlands.

Tourismus der nachhaltigen Entwicklung

Seit 1995 beheizt Lehmonkärki die Hütten ausschließlich mit erneuerbaren Rohstoffen. Die Hütten werden mit geothermischen Quellen, Luft-Wärmepumpen und Hackschnitzelheizungen betrieben. Vom See erhalten sie die Seewärme. Das Dorf verfügt auch über Solaranlagen.

“Die Menschen kommen hauptsächlich, um in Päijänne zu fischen. Sie angeln und organisieren Angelwettbewerbe. Im Päijänne fängt man naturgemäß Bachforellen”, sagt Yrjölä.

Das Dorf Lehmonkärki ist bei ausländischen Touristen sehr beliebt. Es liegt in der Nähe des Päijänne-Nationalparks und ist ein perfekter Ausganspunkt für die Fischerei. Lehmonkärki organisiert Angeltouren und verfügt über die notwendigen Angellizenzen.

“Wir nehmen auf den Angeltouren nur so viel Fisch mit, wie wir essen können. Manchmal frieren wir den Fisch für ausländische Touristen ein, die ihn mit nach Hause nehmen.”

Die Angeltouren werden auch im Winter organisiert. Die Ausrüstung für das Eisfischen wird auf Schneemobilen transportiert. Sie fahren zur Mitte des Sees, bohren ein Loch in das Eis und beginnen zu fischen.

Schneemobilfahren auf dem Eis

Der Päijänne-Nationalpark und der südliche Päijänne sind Landschaften, die von der Eiszeit geformt wurden. Typisch für diese Gegenden sind die langen Gebirgskämme, die Wälder und Seen bereichsweise durchlaufen. Kelvenne im Nationalpark ist eine der größten Landrückeninseln Finnlands. Kelvenne und der nahegelegene Pulkkilanharju-Bergkamm, die Päijänne durchziehen, sind währen der Eiszeit entstanden. Die Insel und der Bergkamm bestehen aus Geröll, das von einem nach Nordwesten ziehenden Gletscher aufgetürmt wurde. Die Bergrücken haben einen starken Einfluss auf das Wetter. Auf der Nordseite der Bergrücken ist es kälter als im Süden, was bedeutet, dass der Wintereinbruch im Norden früher eintritt.

“Örtliche Schneegestöber werden oftmals vom See verdichtet. Dann kann es an den Ufern zu heftigem Schneefall kommen.”

Ari Yrjölä möchte vor allem den Wintertourismus ankurbeln.

“Der Winter ist für ausländische Touristen wesentlich exotischer als der Sommer. Der Anblick der weiten Wasserscheiden im Winter ist ein großartiges Erlebnis. Manchmal nehme ich eine Gruppe auf Schneemobilen mit zu Stellen, an denen das Eis knackt. Selbst wenn das Eis einen halben Meter dick ist, spürt man dennoch eine minimale Absenkung von 2 Millimetern unter den Füßen. Schon das Laufen auf dem zugefrorenen See ist für manche Menschen eine unvergessliche Erfahrung.”

Die Routen der Schneemobile werden sorgfältig geplant. Es gibt zahlreiche Gletscherspalten und Ströme im Eis des Päijänne. Daher muss man genau wissen, wohin man in der Insellandschaft gehen kann.

“Wir befahren die Route grundsätzlich zuerst einmal selbst, bevor wir Besucher mitnehmen.”

Lehmonkärki organisiert auch lange Schneemobilausflüge, bei denen bis zu 200 Kilometer auf der gefrorenen Oberfläche des Päijänne-Sees zurückgelegt werden, was für viele Städter ein einzigartiges Erlebnis ist. Die Landschaft erstreckt sich in unendliche Weiten und der Horizont liegt in der Ferne. Man ist mutterseelenallein. Und wenn wir die Schneemobile abstellen, sind wir von der undurchdringlichen Stille der Winterlandschaft umgeben.

“Hier können wir auf dem See fahren, ohne das gegenüberliegende Ufer zu sehen. Auf dem Päijänne kommt es oft zu Schneegestöbern. Wenn die Sonne vom Himmel strahlt, machen wir oft eine Pause und warten auf ein Schneegestöber.”

Für Ari Yrjölä ist das Schneemobilfahren eine Leidenschaft.

“Ich bin schon immer gerne mit dem Schneemobil unterwegs gewesen. Ich bin in meinem Leben mindestens genauso viel mit dem Schneemobil gefahren wie mit dem Auto. Da der Päijänne so groß ist, bieten Schneemobile eine hervorragende Möglichkeit, Touristen die verschiedenen Sehenswürdigkeiten auf dem See zu zeigen.”

Aber die Schneemobiltouren finden nicht nur auf dem Päijänne, sondern auch in den nahe gelegenen Wäldern statt.

“Wir fahren oft in die Wälder, wo es Elche zu sehen gibt. Manchmal sehen die Besucher Elche am Ufer entlang rennen. Dann fahren wir zu einem Jagdunterstand und machen Kaffee. Wir erfahren etwas über die finnische Jagdkultur.”

Die Schneemobilsaison in Lehmonkärki beginnt im Januar. Ziel ist nicht, schnell voran zu kommen, sondern den See und das Landschaftsbild in Ruhe zu genießen.

“Wenn wir in den Päijänne-Nationalpark gehen, lassen wir die Schneemobile auf dem Eis zurück und gehen zu einem der Lagerfeuerplätze des Parks.”

Wenn man auf einem Schneemobil sitzt, stellt man fest, dass es leiser ist, als gedacht. Lehmonkärki verwendet dieselben Schneemobile, die auch für den Yellowstone-Nationalpark zugelassen sind. Im Yellowstone gelten weltweit die strengsten Umweltstandards.

“Der Außenmotor eines Bootes ist lauter als ein Schneemobil. Außerdem schluckt der Schnee laute Geräusche. Am lautesten sind die Skier auf dem Schnee”, sagt Yrjölä und erzählt uns, dass er plant, in der Zukunft auf Elektro-Schneemobile umzusteigen.

Bei allen Aktivitäten steht der Erhalt der Natur im Vordergrund.

“Wir organisieren ausschließlich geführte Touren und gehen nur an Orte, an die wir gehen dürfen. Wir fahren auf Waldwegen und geplanten Schneemobilrouten. Nur so kann man die Natur besuchen, ohne Spuren zu hinterlassen”, sagt Yrjölä und fügt hinzu, dass schon auf einem simplen Spaziergang Abfall hinterlassen werden kann.

Das Schneemobilfahren auf geplanten Routen bietet eine umweltfreundliche Möglichkeit, weit entlegene Orte zu besuchen, die bei eingeschränkter Mobilität nicht zu erreichen sind.

Ari Turunen, 19.2.2018, Uptopoint

Päijänne

Päijänne ist der größte See des Kymi-Fluss-Wassersystems und bekannt für seine Reinheit. Die Wirtschaftsregion Helsinki erhält ihr Wasser aus diesem See über einen der längsten Tunnels der Welt. Er verläuft über 400 Kilometer vom Ufer des Vesijärvi-Sees in Lahti nach Laukkala, dem nördlichen Hafen des Kymi-Fluss-Wassersystems, der sich in Pielavesi befindet.

Lehmonkärki
www.lehmonkarki.fi

Eine Villa, die von Vertti Kivi und Samulli Hintikka entworfen wurde, kann entsprechend den Wünschen des Besuchers angepasst werden.

“Hier können wir auf dem See fahren, ohne das gegenüberliegende Ufer zu sehen. Auf dem Päijänne kommt es oft zu Schneegestöbern. Wenn die Sonne vom Himmel strahlt, machen wir oft eine Pause und warten auf ein Schneegestöber”

In Lehmonkärki kann man seinen eigenen CO2-Fußabdruck messen. Der Fußabdruck der Hütten liegt bei 0,5 Kilogramm CO2 pro Tag.
In Thermoanzügen über dünnes Eis laufen. In Lehmonkärki kann man versuchen, unter Aufsicht von Experten der Seerettung, ohne weitere Anweisungen in einem Schwimmanzug auf eine Rettungsinsel zu gelangen. Gar nicht so einfach.

Päijänne Nationalpark

Die Bergrücken der finnischen Seenlandschaft bilden einzigartige Landschaftsbilder aus Inseln und Vorgebirgen. Einer dieser Bergrücken ist der von der Eiszeit geformte Pulkkilanharju und nördlich davon Kelvenne, eine der größten Landrückeninseln Finnlands. Beide befinden sich im Päijänne-Nationalpark, der sich über 14 Quadratkilometer auf der südlichen Seite des Päijänne-Sees erstreckt. Im Park gibt es mehr als 50 Landrückeninseln und Inselchen. Die Landrückeninseln haben Strände und geschützte natürliche Häfen für Bootsfahrer. Kelvenne wird von einem neun Kilometer langen Bergrücken durchzogen. Auf dem Bergrücken befindet sich ein natürlicher Trail. Es gibt 17 Lagerfeuerstellen im Nationalpark.

http://www.luontoon.fi/paijanne